Trockenfutter gehört nach wie vor zu den beliebtesten Fütterungsformen bei Hunden und Katzen. Es ist unkompliziert in der Handhabung, lange haltbar und schnell portioniert. Dass es praktisch ist, steht außer Frage. Doch was tatsächlich in vielen Futtersorten steckt und welchen Einfluss die tägliche Ernährung langfristig auf die Gesundheit unserer Tiere haben kann, wissen viele Tierhalter schlichtweg nicht. Und das ist auch verständlich, denn Verpackungen und Werbeversprechen vermitteln häufig den Eindruck, dass es sich um eine ausgewogene und hochwertige Ernährung handelt.
Wer sich jedoch einmal intensiver mit den Inhaltsstoffen beschäftigt, merkt schnell, dass die Realität häufig anders aussieht.
Ein Großteil vieler handelsüblicher Trockenfutter besteht aus stark verarbeiteten Rohstoffen. Häufig kommen dabei Tiermehle, Getreide oder andere stärkehaltige Zutaten zum Einsatz. Um die Akzeptanz zu verbessern, werden je nach Hersteller zusätzlich Aromen, Hefeextrakte oder andere geschmacksverbessernde Stoffe verwendet. Ohne diese Zusätze würde so manches Trockenfutter von unseren Hunden und Katzen vermutlich deutlich schlechter angenommen werden.
Besonders kritisch sehe ich die Deklaration vieler Futtermittel. Begriffe wie „Fleisch“ oder „Geflügel“ vermitteln häufig den Eindruck hochwertiger Zutaten. Tatsächlich sind diese Begriffe im Futtermittelrecht jedoch nicht eindeutig definiert. Hinter der Bezeichnung „Fleisch“ können sich auch verschiedene tierische Nebenprodukte verbergen, die nicht dem entsprechen, was sich die meisten Menschen unter hochwertigem Futter vorstellen.
Auch Bezeichnungen wie Geflügelmehl oder Fleischmehl sorgen häufig für Missverständnisse. Dabei handelt es sich um getrocknete und vermahlene tierische Bestandteile, deren Zusammensetzung je nach Hersteller unterschiedlich ausfallen kann. Für Tierhalter ist deshalb oftmals kaum nachvollziehbar, welche Rohstoffe tatsächlich verarbeitet wurden und letztendlich im Napf landen.
Hinzu kommt die Art der Herstellung: Trockenfutter wird in den meisten Fällen im sogenannten „Extrusionsverfahren“ produziert. Dabei werden die Zutaten unter hohem Druck und hohen Temperaturen verarbeitet. Durch diesen Prozess gehen hitzeempfindliche Vitamine, Enzyme und andere natürliche Inhaltsstoffe weitgehend verloren und müssen anschließend wieder künstlich ergänzt werden.
Ich muss dabei immer wieder an einen Satz einer Kollegin denken, der mich damals zum Schmunzeln brachte und gleichzeitig zum Nachdenken anregte: „Wenn jemand seinem Tier Trockenfutter gibt, könnte man ihm genauso gut Wattebällchen in den Napf legen!“ Natürlich ist diese Aussage bewusst überspitzt formuliert. Dennoch macht sie deutlich, wie weit ein industriell verarbeitetes Produkt von einer möglichst naturbelassenen Ernährung entfernt sein kann.
Auch Dr. Jutta Ziegler beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit diesem Thema. Sie weist unter anderem darauf hin, dass Trockenfutter im Magen Flüssigkeit aufnimmt und stark aufquellen kann. In der Entstehung einer Magendrehung spielen zwar verschiedene Faktoren eine Rolle, dennoch wird die Art der Fütterung von einigen Fachleuten als möglicher Einflussfaktor diskutiert. In meiner Praxis begegnen mir darüber hinaus immer wieder Hunde und Katzen mit wiederkehrenden Magen-Darm-Beschwerden, chronischem Durchfall, stumpfem Fell, Hautproblemen oder Juckreiz. Natürlich wäre es zu einfach, all diese Erkrankungen ausschließlich auf das Trockenfutter zurückzuführen, denn Gesundheit ist immer das Ergebnis vieler verschiedener Faktoren. Dennoch zeigt sich immer wieder, welchen positiven Einfluss eine hochwertige, möglichst naturbelassene und individuell angepasste Ernährung auf das Wohlbefinden unserer Tiere haben kann.
Ich bin überzeugt, dass jeder Tierhalter sein Tier nach bestem Wissen und Gewissen versorgt. Genau deshalb ist Aufklärung so wertvoll. Denn je mehr wir über Ernährung wissen, desto bewusster können wir Entscheidungen treffen, die langfristig zur Gesundheit und Lebensqualität unserer Tiere beitragen.
Unsere Tiere schenken uns Vertrauen, begleiten uns oft viele Jahre und sind ein fester Bestandteil unseres Lebens. Umso wichtiger ist es, ihnen eine Ernährung zu ermöglichen, die ihren natürlichen Bedürfnissen möglichst nahekommt und sie in ihrer Gesundheit bestmöglich unterstützt.
Gerne berate ich dich persönlich zum Thema artgerechte und individuelle Ernährung – denn manchmal können bereits kleine Veränderungen einen großen Unterschied für die Gesundheit deines Tieres machen.
Eure Diana